Maria

oder Sizilianisches Pesto und Orangensalat


"Wie schön, Sie zu sehen! Hatten Sie eine gute Reise? Ich bin Maria und hier für Haus und Küche verantwortlich. Der Signore hat eben angerufen, er wird in einer Stunde aus Siena hier sein und freut sich schon sehr, sie zu sehen... "

"Oh ja, danke, es war wunderbar! Durch diese Landschaft zu fahren ist immer wieder ein besonderes Erlebnis, und nun dieses bezaubernde Haus!"
Ich sah mich um. Der Boden der Eingangshalle bestand aus schwarzen und weißen Fließen und überall lagen orientalische Teppiche, deren Farben sich mit dem Lichteinfall veränderten. Der breite Stiegenaufgang war aus dunklem Holz, auf den ein zartgrüner Teppich gelegt war. An den pastellfarbenen Wänden hingen viele Bilder, kleine Ölgemälde neben einfachen Tuschezeichnungen in reizvollem Nebeneinander. Die alte Dame, eine wunderschöne Italienerin mit im Nacken geknotetem, schwarzem Haar fragte mich nach meinem Gepäck, das sie gerne auf mein Zimmer bringen würde. Ich ging mit ihr zum Auto und bemerkte erst jetzt den wunderschönen Garten, der dieses italienische Landhaus umgab.

Direkt an das Haus angrenzend eine zauberhafte Terrasse mit kleinen Terracottatöpfen voll der verschiedensten Kräuter und Blumen, von denen ein Duft ausging, der betörend wirkte. Unter einem großen hellen Sonnenschirm ein wunderschöner, glatt gebürsteter Tisch aus Teakholz mit einladenden Korbstühlen, auf denen große, weiche Polster lagen. Die Italienerin musste meine Gedanken gelesen haben und bot mir an, doch noch ein bisschen Platz zu nehmen, sie würde mir gerne einen kleinen Imbiss und eine Erfrischung bringen. Das konnte ich nach dieser langen Autofahrt nicht ablehnen, zu verführerisch waren ihre viel versprechenden Blicke. Die Koffer auszuräumen, das konnte noch warten.

Ich ließ mich von dem Flair, der in der Luft lag, gefangen nehmen und Maria’s Orangensalat, die marinierten Anchovis mit Minze, dazu frisches Ciabatta und der leichte, eisgekühlte Bianco di Donnafugata taten noch das übrige dazu, um das märchenhafte Gefühl zu vervollständigen ...
Plötzlich spürte ich eine kalte, feuchte Schnauze an meinen Beinen und bemerkte den mich freundlich begrüßenden Hund des Hauses. Es wird wohl doch Zeit, mich um mein Gepäck zu kümmern. Langsam erhob ich mich und ging zum Haus, um nach Maria zu suchen. Sie war in der Küche mit den Vorbereitungen für das Abendessen beschäftigt. Die Küche war riesengroß, zwei große Türen führten auf eine Terrasse, an den Fensterbrettern standen kleine Messing- und Terracottatöpfe und in einer Ecke entdeckte ich einen großen Weidenkorb, offenbar für den Hund. Maria wischte sich die Hände in ihre blütenweiße Schürze und nahm meinen Arm.

„Wollen Sie mir vielleicht noch etwas Gesellschaft leisten? Für die Gäste, die abends erwartet werden, habe ich noch verschiedene Antipasti vorzubereiten. Der Großteil ist fertig, aber der Pesto ist noch zu machen. Haben Sie Lust, selbst zu probieren und mitzukochen? Ich gebe Ihnen die Anleitungen Schritt für Schritt und kann mich nebenbei der Pavlova-Torte widmen, die ich besonders lieben Gästen gerne als Dessert serviere.“

Die Gelegenheit, einer sizilianischen Köchin über die Schulter zu schauen, wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und nahm das Angebot freudig an!

„Fein – ich freue mich, dann lassen Sie uns beginnen: Sie sollten zunächst die großen Kapern, die dort am Tisch stehen, unter fließendem kaltem Wasser ca. ein bis 2 Minuten abspülen, um möglichst viel Salz zu entfernen und anschließend gut trocknen. Die Tomaten liegen am Gartentisch in der Sonne, suchen Sie die schönsten aus – wir brauchen ca. 1 Kilo davon. Messer und Brett finden Sie auf der Arbeitsplatte vor dem Fenster...“

Ich holte die nach Sommer duftenden, sonnenwarmen Tomaten, schnitt Sie, wie Maria mir aufgetragen hatte, in die Hälfte und entfernte die Kerne. „Jetzt nehmen Sie am besten das grobe Meersalz, das im Tontopf neben dem Herd steht, bestreuen die Tomaten und lassen sie mit der Schnittfläche nach unten abtropfen. Was halten Sie von einem Glas Prosecco und ich erzähle Ihnen dabei, wie wir weitermachen...?? “

„Wunderbar – so lasse ich mich noch lieber in die Geheimnisse der italienischen Küche einführen...“

Maria gab mir eine große Schüssel aus italienischer Keramik in den typischen kräftigen und wunderbaren Farben dieses Landes. Ich vermischte das duftende sizilianische Olivenöl mit den Chilischoten, dem Knoblauch und dem frischem Oregano zusammen mit den würfelig geschnittenen Tomatenstücken. Dieser Pesto musste nun für eine Stunde durchziehen. Voilá – dann war nur mehr die Pasta al dente zu kochen, mit der Sauce zu vermischen und zu servieren...
Dabei konnte ich Maria jedoch leider nicht mehr helfen, denn ich hörte in diesem Moment schon Dein Auto über den Kies zum Haus fahren. Wir hatten uns die Ewigkeit von zwei Wochen nicht gesehen ...



Sizilianisches Pesto

• 2 EL Kapern
• 750 g – 1 kg reife Tomaten
• Salz
• 4 EL natives Olivenöl extra
• ca. 1 TL gerebelte Chillischoten
• 1 große Knoblauchzehe, fein zerkleinert
• frischer Oregano, je nach Geschmack
• 500 g Pipette rigate (oder ähnliche Pasta)


Orangensalat

• 4 saftige Orangen, geschält und in dünne Scheiben geschnitten
• Salz
• 10 schwarze Oliven, entsteint und halbiert
• 1 kleine weiße Zwiebel, in Ringen
• 4 EL natives Olivenöl extra
• schwarzer Pfeffer

Die Orangen in einer Schüssel anrichten und mit Salz bestreuen. Oliven und Zwiebeln dazugeben. Mit Öl und Pfeffer abschmecken.

Cat

 
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