oder: Currypaste auf Villotas Art
In Sangklaburi, einem thailändischen Dorf im wilden Grenzland zu Myanmar, hatte sich Thuanthong, ein stolzer Bursche in ein junges Mädchen verliebt, das so schön war wie sein Name: Pensri - Schönheit und Güte des Mondes. Die Liebe war schon vor langer Zeit über ihn hereingebrochen, doch bisher hatte er nie den Mut gefunden, sie anzusprechen. Das hatte einen guten Grund. Aus dem Nachbardorf Waeng Khan, zu dem eine lange Brücke über den Stausee Khao Laem führte, kam des Nachts immer ein Junge heimlich zu Pensri. Thuanthong hatte die beiden schon viele Male beobachtet, wenn sie sich in einer kleinen Hütte in den Maniokfeldern am Rande des Dorfes trafen. Sie verschwanden oft für mehrere Stunden in dem verfallenen Holzbau, der ein wenig aussah wie die Tempelspitze des gefluteten alten Sangklaburi. Viele Wochen zogen ins Land und Thuanthong litt Seelenqualen, die nur ein Liebender empfinden kann. Eines Tages fasste er sich ein Herz und stellte Pensri auf der Brücke zur Rede. Sie war nicht überrascht, schon oft hatte sie den verliebten Jungen hinter sich gespürt und seine flehenden Blicke genossen wie wie ein Bad in Blütenöl. Warum nicht ich, stammelte der aufgeregte Thuanthong, warum der andere, er ist gar nicht von hier, er wird kein Glück für Dich bringen. Thuanthong hatte seine Würde vollends vergessen, ein goldener Speer, wie ihn sein Vater bei seiner Geburt genannt hatte, war er in diesem Moment nicht. Doch Pensri antwortete ruhig und freundlich: Du weisst ja nicht, was Sunan und ich in der Hütte machen, ich denke, Du solltest uns einmal begleiten und zusehen. Thuanthong war verwirrt, doch er willigte ein. Am nächsten Tag wartete er an der Brücke auf die beiden und begleitete sie wortlos in der Dämmerung zur Hütte. Als sie den Raum betreten hatten und Sunan eine Kerze entzündet hatte, waren eine Feuerstelle zu sehen und ein Tisch, auf dem ein steinerner Mörser, viele Blechdosen und Schalen standen. Setz dich, sagte Pensri, und deutete auf eine Ecke des Raums. Dann begannen die beiden mit einer Prozedur, der Thuanthong gespannt folgte: Pensri nahm rote Chilischoten aus ihrer Tasche weichte sie in lauwarmem Wasser ein. Fünf Minuten, nicht länger, flüsterte ihr Sanur zu, dann das Wasser abgiessen und die Schoten gut ausdrücken. Er selbst begann Zitronengras in feine Ringe zu schneiden, Schalotten, Ingwer und Knoblauch zu schälen, die er mit seinem Messer in kleine Stücke hackte. Zuletzt fügte er noch Macademia-Nüsse dazu und verrieb das Ganze im Mörser zu einer Masse. Immer mehr Dinge kamen hinzu, wie die Chilischoten, Basilikum, Minze, Zitronenthymian und Limettenzesten. Sanur begann zu schwitzen, denn das Zerreiben war eine anstrengende Arbeit. Auf der anderen Seite des Tisches zerbröselte Pensri Koriander, Kreuzkümmel, Nelkenpulver, Zimtstange und Muskatblüte und füllte damit eine kleine schwarze langstielige Pfanne, die sie dann über der Feuerstelle schwenkte. Sofort füllte sich der Raum mit betörenden Gewürzdüften. Sie schaute immer wieder prüfend in die Pfanne, bis die Masse sich dunkelbraun färbte. Sanur unterbrach seine Arbeit und brachte schnell Kurkuma, Curryblätter und Pfeffer und warf sie in die rußgeschwärzte Pfanne. Dann leerte er den warmen und duftenden Inhalt in den Mörser und begann erneut, alles sorgfältig und fein zu zerstossen, bis eine zähe Paste entstand. Pensri stellte sich zu ihm, sah prüfend in das steinerne Gefäss und fragte: Und was ist mit dem Salz und der Fischsauce? Nein, nein, antwortete Sanur, es ist vie besser, diese Zutaten erst beim Zubereiten der Speise dazu zu geben. Thuanthong war inzwischen aufgestanden und näherte sich langsam dem duftenden Tisch. Pensri bemerkte es und sagte: Du kannst uns helfen, wenn du willst. Die Paste muss nun in die kleinen Dosen verpackt werden. Sanur bringt sie dann nach Waeng Khan, wo er sie am Markt verkauft. Das Geld teilen wir, und wenn wir genug gespart haben, werden wir zusammen ein Restaurant eröffnen, hier an der Brücke über den Khao Laem.
Zutaten für 8-10 Portionen
15 kleine getrocknete Chilischoten
3 Stengel frisches Zitronengras
2 Schalotten
1 Ingwer (3-4 cm)
10 Knoblauchzehen (oder 3 mittelgrosse chinesische Knoblauchknollen)
10 Macademianüsse
1 EL Koriander gemahlen
1 TL Kreuzkümmel gemahlen
1 EL Kurkuma
1 TL Currypulver (oder 1 EL Curryblätter getrocknet)
1 TL Nelkenpulver
1 TL Schwarzer Pfeffer gemahlen
1 Zimtstange
1 Muskatblüte (Macis)
10 Blätter frischer Basilikum
5 Blätter frische Minze
1 EL frischer (Zitronen-)Thymian
Zesten einer Bio-Limette
Lions Villota
Die Brücke über den Khao Laem
11:50
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