Kalbsbäckchen mit Risotto

...und einem Schluck Riesling.



Der ambitionierte Hobbykoch fällt gelegentlich über Rezepte, die sein Verlangen nach sofortiger Umsetzung ins unermessliche, ja pathologische steigern können. Für meine Wenigkeit gilt dies verstärkt für einfache toskanische Gerichte, die meine Magensäfte stante pede zum Kochen bringen. Wenn mir eine verantwortungslose Autorin wie Marlena De Blasi etwas von Tomaten, altem Brot, Rotwein und Olivenöl für panzanella vorschwärmt, ist sie alleinschuldig für den folgenden Disput mit meiner Frau, warum wir wieder einmal kein altes Brot zu Hause haben. Jeder hat altes Brot zu Hause, nur wir nicht. Es ist zum...
Nachdem mir jedoch jüngst meine Schwäche für die einfache Küche unverhohlen vorgehalten wurde, habe ich mich an ein Rezept erinnert, welches mich dereinst auch verzögerungsfrei mit dem Einkaufskorb unter dem Arm auf die Straße und in die Geschäfte trieb. Möge der Betreffende in sich kehren...
Bereits bei der Erstlektüre begann der Hut zu brennen, betrug doch die Vorlaufzeit für dieses Gericht stolze drei Tage. Solange wollten die Kalbsbäckchen in der Pökellake, bestehend aus Salz, Pökelsalz und ein paar Kräutern, eingelegt und im Kühlschrank gelagert sein, bis sie richtig durchdrungen waren. Bevor das Fleisch eingelegt wird, werden die Zutaten für die Pökellake mit dem Wasser aufgekocht und dann wieder auf Raumtemperatur abgekühlt.

Drei Tage! Der Verfasser muss eine Art kulinarischer Fakir gewesen sein oder eine masochistische Mutation mit Vorliebe für Innenschmerzen.
Wie auch immer, am dritten Tag nahm ich einen Schluck Riesling und die Bäckchen aus ihrem Bad, trocknete sie und kochte sie anschließend 40 Minuten in der Mischung aus Weißwein, Weinessig Suppengrün und dem Thymian.
Parallel ließ ich die Stiele der Brunnenkresse im Geflügelfond aufkochen und anschließend eine halbe Stunde neben dem Herd ziehen. Dann abseihen und den Fond warm stellen.
Mit einem weiteren Schluck Riesling kam ich zum Höhepunkt dieses Rezepts, dem Räuchern. Eine hohe Pfanne oder einen Wok mit Alufolie auskleiden. Hinein kommen bodendeckend das Buchenholzmehl, Lorbeer, Wacholder, Rosmarin und Thymian. Darüber ein passender Rost und darauf wiederum die Kalbsbäckchen. Deckel drauf und bei hoher Temperatur auf den Herd. Wenn das Buchenmehl zu glimmen beginnt (man riecht es), die Pfanne für ca. 10 Minuten ins Freie stellen. Allein deswegen zahlt es sich aus, dieses Rezept zu probieren.
Wenn Ihre Frau den Riesling zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausgetrunken hat, nehmen Sie einen Schluck.
So gestärkt schwitzte ich die würfelig geschnittenen Schalotten in Butter glasig und gab den Reis sowie Salz dazu. Das ganze wird unter regelmäßiger Zugabe des Geflügelfonds eingekocht, bis der Reis bissfest ist. Nach einem Schluck Riesling kam die restliche Butter und der Parmesan dazu. Gut umrühren und ein paar Minuten bei Minimaltemperatur ziehen lassen.
Zum Schluss werden die Kalbsbäckchen gut gepfeffert und in kochenden Kalbsjus eingelegt, bis dieser reduziert ist. Die Bäckchen dabei ständig übergießen. So stand es zumindest im Rezept. Ich habe den Jus fertig gekauft. Ich weiß, das ist nicht besonders elegant, aber der Aufwand und die drohende Gefahr des Verhungerns waren mir schlicht zu groß. Ich denke, man kann den Jus auch durch Rindssuppe mit etwas Bindung für braune Sauce ersetzen – wählen Sie die für Sie beste Variante. Als letzter Schritt wird die Brunnenkresse mit dem Risotto vermischt und die Kalbsbäckchen darauf angerichtet. Noch ein Schluck Riesling – fertig.

Lake zum Pökeln:
40g Salz, 25g Pökelsalz
1 1/2 l Wasser
1 Lorbeerblatt, 2 Zweige Rosmarin
1 Knoblauchzehe
2 TL Pfeffer, 3-4 Wacholderbeeren

Kalbsbäckchen:
4 Kalbsbäckchen
1 Karotte, Sellerie, Lauch, Petersilie
1 Thymianzweig
150 ml Kalbsjus
Pfeffer

Risotto:
1 Bund Brunnenkresse
400 ml Geflügelfond
60g Butter, 2 Schalotten
160g Risottoreis
200 ml Weißwein, 70g Parmesan
Salz

Räuchern:
Buchenholzmehl
1 Lorbeerblatt, 3-4 Wacholderbeeren
1 Zweig Rosmarin und Thymian
Hurz

 
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