
„Keinen von diesen totgeräucherten Salzfischen“ hatte er noch Ihre Stimme im Ohr. „Einen der nur ganz leicht, am besten gar nicht geräuchert ist. Fein wäre schottischer oder kanadischer Wildlachs, Filet im ganzen, wenn du eines bekommst“. So lautete die letzte Anweisung, bevor er zum Lachskauf ausrückte. Er konnte den Gedanken nur zu gut nachvollziehen. Lachs gibt es bei uns in allen möglichen und unmöglichen Qualitäten zu kaufen. Als fetttriefendes weiches Etwas, das an den Zähnen genau so kleben blieb wie in der Packung, bis hin zu bissfesten, schönen Filets, die auch im Mund noch die leichte Fleischstruktur spüren ließen und tatsächlich nach Lachs schmeckten. Wieder zu Hause sah er ihr zu, wie sie gerade frisches Gemüse in grobe Stücke schnitt. Ihre heutige Verheißung – Lachsrosen mit Gemüse – war das ideale Gericht, wenn man gut Essen, aber nicht unbedingt den ganzen Abend kochen wollte. Da er sie ab und an seine "Rose" nannte, musste er über die Namensähnlichkeit in Verbindung mit Essen, in sich hineinschmunzeln. Als er ihr so beim Vorbereiten zusah, wie die Haare ihres nach unten gebeugten Kopfes ihren zauberhaften Nacken freigaben, kam ihm gleich der Gedanke, dass es jammerschade wäre, diese Gelegenheit nicht schamlos auszunützen. Er stellte sich hinter sie, umschlang ihre Taille und begann sanft ihren Nacken zu küssen während sie den Lauch in Ringe schnitt. Ein Schauer lief durch ihren Körper, als sie inne hielt und sich mit beiden Händen auf die Arbeitsplatte stützte, deren massives Holz schon viele Schnitte und Kerben als bleibenden Ausdruck der Kochleidenschaft von beiden trug. Seine Nase teilte ihr halblanges Haar, während er ihren Hals mit weichen Küssen bedeckte und mit seinen Lippen die sanften Erhebungen der Nackenwirbel nachzeichnete. Mit einem leisen und nur wenig überzeugendem „aufhören, ich schneide mich“ schob sie ihre Hüften leicht nach hinten um ihn auf Distanz zu halten. Als nächstes stand die Zubereitung des Lachs auf dem Programm, die im Grunde keine war. Sie liebte Gerichte, in denen die Zutaten um ihrer selbst willen zur Geltung kamen und nicht in einem Brei aus ineinandergreifenden Geschmackseindrücken ertränkt wurden. So blieb der Lachs bei diesem Gericht fast unbehandelt. Sie schnitt lediglich das Filet mit einem schmalen Messer in mindestens Halbzentimeter dicke Stücke, wobei sie das Messer, sobald es in die Nähe der Haut kam von derselben wegdrehte. Zum einen um zu vermeiden, dass die Haut und das darunter liegende Fettgewebe auf den Filetscheiben blieb, zum andern bekam das Filet auf einer Seite eine leicht geschwungene Form, was später beim Legen der Rosen ganz nett aussah. Noch während sie das Filet vorsichtig Scheibe für Scheibe schrumpfen ließ, spürte sie seine Hände ihren Rücken streicheln. Ihre Zehen begannen zu kribbeln, so sehr genoss sie seine Zärtlichkeit und die Berührung seiner Hände, die unter ihrem leichten Pullover verschwanden und entlang der Konturen ihres BHs auf Entdeckungsreise gingen. „Dort findest du bestimmt kein Salz“ flüsterte Sie, als er seine Finger über ihren Bauchnabel gleiten ließ. Er fasste sie leicht am Bund ihrer engen Jeans, in denen sie so umwerfend sexy aussah und drehte sie herum. Einen kurzen Moment sahen sie sich in die Augen, als ob sie nicht in der Küche, sondern an irgendeinem Strand beim romantischsten Sonnenuntergang gewesen wären. Etwas hilflos hingen ihre Arme hinunter, das Fischmesser in der einen Hand, Lachsreste an den Fingern der anderen, als er sie zu küssen begann. Mehr ein Hauch seiner Lippen an den ihren, wanderten sie ihren Mund entlang, erforschten jede Stelle mit einer Sinnlichkeit, dass sie weiche Knie bekam. Als sich ihr Atem trennte hatten beide die Augen geschlossen. "Ich mache die Rosen und du portionierst das Gemüse und schenkst den Prosecco ein" lautete ihr gespielter Befehl. Er wich ein winziges Stück zurück und sagte nur „Hunger“, während ihr seine Augen ein tiefes Lächeln schenkten, „aber essen möchte ich auch was“.
- Lachsfilet – nicht oder nur leicht geräuchert
- Lauch
- Frühlingszwiebel
- Karotten
- Kartoffeln
- Austernpilze oder Champignons
- Salz, Pfeffer, Olivenöl, Dill, Schlagobers
Karotten und Kartoffeln würfeln und mit Olivenöl in der Pfanne anbraten. Nach ein paar Minuten Lauch und Frühlingszwiebel in groben Ringen dazugeben. Einige Minuten später die grob geschnittenen Pilze dazugeben und noch kurz mitbraten, alles nach Geschmack salzen und pfeffern. Lachsfilet in Scheiben schneiden und zu einer Rose legen (Ein Stück einrollen, ab der Hälfte ein zweites Stück dazunehmen, innen einklemmen und weiterrollen, nächstes Stück dazurollen usw. bis etwa eine handtellergroße Rose entsteht). Wenn der Lachs ungeräuchert ist, leicht Salzen. Sonst nur mit etwas frischem Dill bestreuen und zum Verfeinern ein paar Tropfen Schlagobers draufspritzen. Ein gutes Häufchen der Gemüsemischung auf ein Stück Alufolie geben und die Lachsrose darauf setzen. Die Ecken der Folie zusammenlegen und miteinander verdrehen, sodass ein geschlossenes Säckchen entsteht. Die Säckchen kommen ca. 20 Minuten bei 180 Grad in den Ofen. Zeit genug für ein Glas Prosecco. Die Weinbegleitung ist an so einem Abend wirklich Geschmackssache. Der Riesling „Privat“ vom Kremstaler Winzer Nigl wäre sicher etwas besonderes.
Hurz
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